Die Geschichte des Klosters

1717 Beschluss des Dominikanerinnenklosters St. Katharina in Augsburg: Gründung eines Klosters mit „strenger Observanz“ in Wörishofen
1721 Die ersten Schwestern im neuen Kloster in Wörishofen
1723  Fertigstellung der Klosterkirche
1800 Besetzung, Plünderung des Klosters durch französische Soldaten
1802 Säkularisation – das Kloster wird Eigentum des Königreichs Bayern. Die Schwestern dürfen bleiben, doch keinen Nachwuchs aufnehmen
1842 Neuanfang unter König Ludwig I. von Bayern
1855 Pfarrer Sebastian Kneipp wird Beichtvater und Hausgeistlicher im Kloster
1859 Filialgründung in Türkheim (bis 1978)
1896 Übertritt vom II. zum III. Orden des Hl. Dominikus
1897 Pfarrer Kneipp stirbt im Kloster
1930 Filialgründung in Oberaudorf (bis 1994)
1981 „Kurhaus der Dominikanerinnen“ (bis 2005)

Die Geschichte im Detail

Christina von Fronhofen bei Ravensburg, die Witwe des Heinrich von Wellenburg westlich von Augsburg, vermachte 1243 ihren Besitz in Wörishofen dem Dominikanerorden mit der Auflage einer Klostergründung. Der Dominikanerorden übergab diese Schenkung den Dominikanerinnen von St. Katharina in Augsburg.
 

Auf Grund einer päpstlichen Verordnung von 1717 sollten in jeder Ordensprovinz zwei Konvente ein Leben der „strengen Observanz“ annehmen, das heißt ein beschauliches Kloster mit strenger Klausur, Anbetung, Stillschweigen, strengem Fasten und Enthaltung von Fleischspeisen. Die Gemeinschaft von St. Katharina in Augsburg wollte selbst nicht dem Wunsch von Papst Clemens XI. nachkommen und entschied sich, in Wörishofen ein Kloster zu bauen, dessen Dominikanerinnen ein Leben der „strengen Observanz“ annehmen sollten.

1718 trafen die ersten Schwestern von Augsburg in Wörishofen ein, die zunächst im Amtshaus ihrer dortigen Herrschaft wohnten und 1721 das neugebaute Kloster beziehen konnten. 1723 war dann die Klosterkirche fertiggestellt. 80 Jahre lang, von 1721 bis 1800 konnte sich das Kloster in Frieden entfalten und die Schwestern sich ihrer religiösen Berufung hingeben.

Im Mai 1800 wurde das Kloster während der napoleonischen Kriegszüge von französischen Soldaten besetzt. Diese drangen in die Klausur ein, entwendeten und zerstörten geweihte Gegenstände und trieben im Kloster ihr Unwesen. Kaum war diese Schreckenszeit vorbei, folgte im November 1802 die Säkularisation. Das Kloster wurde seiner Güter beraubt und zum Eigentum des Königreichs Bayern. Die Schwestern durften weiterhin im Klostergebäude wohnen, jedoch keine Novizinnen mehr aufnehmen. So zählte der Konvent noch sieben Schwestern und war vom Aussterben bedroht.

1842, 40 Jahre nach Beginn der Säkularisation, ermöglichte König Ludwig I. von Bayern durch Dekret einen neuen Anfang für das Kloster in Wörishofen. Sankt Katharina in Augsburg überstand die Säkularisation nicht. In den dortigen Klostergebäuden befindet sich heute das Holbeingymnasium.
Bedingung für den Neuanfang im Kloster in Wörishofen war die Übernahme der Mädchenschule der Pfarrei und die Gründung einer Bewahr- und Erziehungsanstalt für verwahrloste und verwaiste Mädchen. In der folgenden Zeit erlebte das Kloster in Wörishofen einen neuen Aufschwung. Es gab wieder Ordensnachwuchs, die beschädigten Gebäude wurden renoviert, Paramentenstickerei und Klosterarbeiten erlebten ihren Höhepunkt.

1860 konnte das Kloster vom Staat zurückgekauft werden.

Von großer Bedeutung für die weitere Zukunft des Klosters und auch des Ortes Wörishofen war, dass 1855 Pfarrer Sebastian Kneipp als Beichtvater und Hausgeistlicher dem Kloster zugeteilt wurde. Hier im Kloster begann durch Pfarrer Kneipp die Entwicklung des kleinen Bauerndorfes zum weltberühmten Kneipp-Heilbad. Noch unterstand das Kloster der strengen Observanz. Wegen der vielen neuen Aufgaben und vor allem auch wegen des großen Zulaufs kranker und hilfesuchender Menschen bei Pfarrer Kneipp, entschlossen sich die Schwestern 1896 vom II. zum III. Orden des Hl. Dominikus überzutreten. Damit war die strenge Klausur aufgehoben.

1897 starb Pfarrer Sebastian Kneipp im Kloster der Dominikanerinnen in Wörishofen.

Eine wachsende Schwesternzahl führte zu Filialgründungen in Türkheim (1859-1978) und Oberaudorf (1930-1994) mit ähnlichen Aufgaben wie in Wörishofen.

1981 wurde das unter Pfarrer Sebastian Kneipp errichtete Schul- und Internatsgebäude in ein „Kurhaus der Dominikanerinnen“ umgewandelt. Dieses wurde 2005 jedoch an das Kolpingwerk abgegeben und als „Kuroase im Kloster“ weitergeführt.

Die 1885 gegründete Haushaltungsschule musste 1969 aufgelöst werden. Der seit 1951 bestehende hauswirtschaftliche Grundlehrgang wurde 1981 beendet. 1977 musste die Wirtschaftsschule (Handelsschule) aufgegeben werden, die seit 1928 bestanden hatte. Der 1899 gegründete Kindergarten wurde 1995 von der Pfarrei St. Justina übernommen. Schon seit 1847 bestand ein Kinderhort im Dominikanerinnenkloster, der 1983 geschlossen wurde. Grund für die genannten Schließungen war vor allem fehlender Nachwuchs, der zu einem Rückgang der Zahl der Schwestern führte.

Von Anfang an gehörte zum Kloster eine Landwirtschaft. Pfarrer Kneipp konnte mit seinem großen Wissen im Obstbau, Ackerbau und in der Vieh- und Bienenzucht zu Verbesserungen der klösterlichen Landwirtschaft beitragen. 1982 stellten die Schwestern auf biologischen Anbau um. Am 1.9.2004 wurde die Landschaft an einen Biobauern verpachtet.

Die Dominikanerinnen von Bad Wörishofen sind heute eine kleine Gemeinschaft, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte von vielen Tätigkeiten zurückziehen musste. Es ist wieder zunehmend das beschauliche Kloster, als das es gegründet wurde. Gerne nützen die Gäste der „Kuroase“ die Gelegenheit zu Gesprächen mit Schwestern, oft auch über ihre persönlichen Probleme. „Die Anwendungen sind Zuwendungen“ ist die Einstellung von Mutter Priorin M. Franziska Brenner.
Auch zum täglichen Chorgebet der Schwestern sind die Gäste herzlich eingeladen und nützen dieses Angebot gern, ebenso wie die monatliche Anbetung.
Die Pflege der kranken und alten Mitschwestern ist eine weitere wichtige Aufgabe der ganzen Gemeinschaft.
Durch ihr Dasein wollen die Schwestern ihr Ordensleben bezeugen und im Sinne des Hl. Dominikus „als Gemeinschaft eine Predigt sein“.